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Umdenken. Über Plastikstrudel im Meer

Vor kurzem bin ich in einer der wenigen noch tolerierbaren Frauenzeitschriften, nämlich der Maxi, auf einen Artikel mit dem Titel Retterin der Ozeane. Anna Cummins kämpft für ein Meer ohne Plastikmüll gestoßen. Nach Seiten über Seiten über Pastelltöne und Frühlingsmode und Büro-Outfits konfrontierte man mich also nach lauter Erste-Welt-Problemen mit wirklichen Umweltproblemen und beschämenderweise muss ich gestehen, dass ich über die Graphik an welchen Orten sich die großen Meeresstrudel befinden und in welchen sich inzwischen der meiste Plastikmüll zersetzt, wirklich geschockt war, denn ja! ich war mir dessen naiverweise nicht bewußt…

Auch die Tatsache, dass eine einzige Plastiktasche 400 Jahre braucht, um sich zu zersetzen, erzeugte in mir leichtes Unbehagen, und kritisch wurden die in einer Ecke meines Appartments gelagerten Plastiktaschen beäugt (und in den folgenden Tagen umso lieber meine Stofftasche eingesteckt). Während kleiner Kaffee- und Teepausen las ich dann immer mal wieder ein paar Online-Artikel über das beunruhigende Thema Plastikstrudel, die ich meinen interessierten Erste-Welt-Lesern an meine Ausführungen anhänge, auf dass sie sich weiterbilden mögen!

400 Jahre also für den Zersetzungsprozess einer Plastiktasche, wieviele davon benutzen wir wöchentlich? Und die Taschen, Verpackungen, Flaschen etc etc, die ins Meer gelangen, zersetzen sich dort fröhlich und sondern Giftstoffe in das Wasser ab. Die klein und kleiner werdenden Plastikteilchen wiederum werden, wie in den Artikeln immer wieder betont wird, von verschiedensten Meeresbewohnern gefressen. Unter anderem auch von Fischen, was isst auch der Mensch? Fisch! Und damit die Fragen: wissen wir immer genau woher der Fisch kommt? und was in seinem Magen war? nehmen wir die Plastikgifte dann mit auf?

Ich bin keine Fachfrau auf diesem Gebiet, und ich will auch keine Stimmungsmache, aber beunruhigend ist das Thema doch schon, oder findet ihr nicht?

Ich jedenfalls bin dem Hallo-wach!-Effekt, den dieser Artikel auf mich hatte dankbar, denn ich denke, wir vergessen viel zu oft, was unser high-tech-Lebensstil für das Umweltsystem bedeutet. Da sag noch einmal einer: Frauenzeitschriften hätten keinen Effekt auf den Bildungsstand der Leser!

 

Im Folgenden zitiere ich informationshalber aus dem Wikipedia-Artikel „Plastik-Müll in den Ozeanen“

„Plastikmüll in den Ozeanen ist ein internationales Umweltproblem. Plastikteile, Mikroplastik sowie deren Zersetzungsprodukte sammeln sich insbesondere in einigen Meeresdriftströmungswirbeln an und führen zu einer erheblichen Verdichtung in manchen Meeresregionen. Dem Nordpazifikwirbel hat dieses Phänomen den Beinamen Great Pacific Garbage Patch (dt. Großer Pazifikmüllfleck) eingebracht; 1997 wurde es erstmals beschrieben.

In den Meeren treibender Plastikmüll wird durch Wellenbewegung und UV-Licht auf Dauer zerkleinert, wobei ein immer höherer Feinheitsgrad bis hin zur Pulverisierung erreicht werden kann. Bei einem hohen Feinheitsgrad wird das Plastikpulver von verschiedenen Meeresbewohnern sowie unter anderem auch von Plankton statt oder mit der Nahrung aufgenommen. Angefangen beim Plankton, steigen die Plastikpartikel, an denen giftige und krebsverursachende Chemikalien wie DDT und Polychlorierte Biphenyle anlagern, in der Nahrungskette immer weiter auf. Auf diesem Weg gelangt der Plastikmüll mit den anlagernden Giftstoffen auch in die für den menschlichen Verzehr bestimmten Lebensmittel.“

„Laut deutschem Umweltbundesamt befinden sich derzeit (2013) 100 bis 150 Millionen Tonnen Abfälle in den Meeren, 60 % davon aus Plastik. 70 % des Abfalls sinken auf den Meeresboden, 15 % schwimmen an der Wasseroberfläche und 15 % werden an die Strände gespült. Auf Fotografien vom arktischen Tiefseeboden zwischen Spitzbergen und Grönland fanden sich hochgerechnet „83 Müllteile pro Fußballfeld“;[11] 2010 hatte sich dort in 2.500 Metern Tiefe nach zehn Jahren die Menge des abgesunkenen Plastikmülls verdoppelt.

„Nach Informationen des United Nations Environment Programme (UNEP) von 2005 schwimmen durchschnittlich bis zu 13.000 Plastikteilchen auf jedem Quadratkilometer Ozean. Die NOAA weist jedoch darauf hin, dass UNEP zu dieser Angabe keine wissenschaftliche Quelle anführt.“

Plastikmüll wird über Flüsse ins Meer geschwemmt. Vielfach werden auch Mülldeponien und wilde Müllkippen im Ödland an Flüssen, Sümpfen oder Meeresküsten aufgeschüttet.

Ladungsverluste dürften den kleinsten Teil ausmachen. Bekannt wurde der Fall des Frachters Hansa Carrier, der am 27. Mai 1990 über 60.000 Turnschuhe verlor. Auf derselben Route wie die Hansa Carrier verlor das Frachtschiff Tokio Express auf dem Weg von Hongkong nach Washington 29.000 bunte Spielzeugtiere,[35][36] die als Friendly Floatees bekannt wurden. Seitdem werden etwa alle drei Jahre Teile dieser verlorenen Ladung in Alaska angespült. Demnach bewegt sich der Müll mit elf Zentimetern pro Sekunde (entspricht 0,4 km/h) in einem riesigen Kreis.

Eine weitere große Quelle von Müll im Nordpazifik war der Tsunami infolge des Tōhoku-Erdbebens im Jahr 2011, der große Mengen von Gegenständen aller Art ins Meer spülte, die seitdem im Nordpazifik umhertreiben. Die Größe des dadurch entstandenen „Müllteppichs“ wird mit einer Fläche größer als die Bundesrepublik Deutschland angegeben.“

„Plastikmüll durch Schiffe in die Ozeane einzubringen ist bereits 1988 mit dem Internationalen Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe (MARPOL) im Annex V verboten worden. Die Schiffsführung kommerzieller Schiffe ist verpflichtet, in einem so genannten Mülltagebuch über den gesamten an Bord anfallenden Müll Buch zu führen. Die Abgabe an Land ist mittels Quittung nachzuweisen. Verstöße gegen diese Bestimmungen können empfindliche Bußgelder nach sich ziehen. In Deutschland können gemäß Verordnung über Zuwiderhandlungen gegen das Internationale Übereinkommen von 1973 zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe und gegen das Protokoll von 1978 zu diesem Übereinkommen (MARPOL-Zuwiderhandlungsverordnung) Bußgelder von bis zu 50.000 € verhängt werden.

Die kostenfreie Entladung des Mülls muss in allen Häfen möglich sein und der Müll an Land fachgerecht entsorgt werden. Die kleine NGO Green-Ocean begann 2006 mit einem Pilotprojekt im Hafen von Livorno: Man kaufte Fischern aufgefischten Plastikmüll ab. Das soll beweisen, dass es durchaus möglich ist, kostengünstig und effektiv Plastikmüll aus dem Meer zu entfernen. Bei anderen Projekten werden Fischer dazu motiviert, Plastikmüll einzusammeln und in Häfen abzugeben. Gerade die Fischer sollten ein Interesse daran haben, dass ihre Produkte gesund bleiben.

Die Entsorgung von Hausmüll über die Flüsse ins Meer zu verbieten, ist ein weiteres wesentliches Anliegen. Angestrebt wird auch, leichter biologisch abbaubare Kunststoffe und umweltverträglichere Polymere, Additive und Füllstoffe zu verwenden. Wissenschaftler der University of Southern Mississippi haben einige Polymere für den Zerfall im Meerwasser optimiert.

Diverse Projekte und Forscher widmen sich der Sammlung des kleinteiligen Plastiks in den Meeren. Eines der bekanntesten ist eine im Oktober 2012 von dem 19-jährigen niederländischen Studenten Boyan Slat bei der Veranstaltung TEDx Delft an der TU Delft vorgestellte Möglichkeit, Millionen Tonnen Plastikabfall aus den Meeren zu sammeln und zu recyceln. Die Technologie befindet sich in der Erprobungsphase und basiert auf dem Einsatz mehrerer Manta-Rochen-förmiger Plattformen, die mit rohrförmigen, auf der Meeresoberfläche treibenden Pontons verbunden sind. Die Technik macht sich die natürliche Meeresströmung zu Nutze sowie die Tatsache, dass ein Teil des zu sammelnden Plastiks auf der Meeresoberfläche treibt. Dies habe den Vorteil, dass Plankton und andere Meeresbewohner nicht gefangen würden.[43] Für die Reinigung veranschlagt er etwa fünf Jahre pro großem ozeanischen Wirbel. Die von Slat gegründete Ocean Cleanup Foundation arbeitet an mehreren Machbarkeitsstudien.

Das Projekt Fishing for Litter der KIMO möchte Nord- und Ostsee von Plastikmüll säubern; beim „International Coastal Cleanup Day“ am 25. September jeden Jahres treffen sich weltweit mehrere Hunderttausend Freiwillige, um Küsten, Gewässer und Flussufer von Müll zu säubern. 2010 beteiligte sich in Deutschland erstmals auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU) im Rahmen seines Projekts „Meere ohne Plastik“.“

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Plastikstrudel

Weitere Artikel:

http://www.sueddeutsche.de/wissen/giftige-plastikstrudel-im-meer-die-groesste-muellhalde-der-welt-1.166232

http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article3996553/Expedition-ins-Innere-des-Plastikstrudels.html

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